FREUNDE DER HASENJAGD

2. Treffen am Rittnerhorn

Trotz Regenwetter ließen sich die „FREUNDE DER HASENJAGD“ nicht aufhalten, um beim 2. Treffen am Rittnerhorn anwesend zu sein. Zirka 50 Jägerinnen und Jäger mit Hunden sind der Einladung gefolgt.

Im Laufe des Vormittags trafen wir uns im Berggasthof Unterhornhaus.

(Der Wirt des Gasthofes  Gottfried ebenfalls begeisterter Hasenäger!)

Bis zum frühen Nachmittag turtelten immer wieder Gleichgesinnte ein.

Der Einladung ist auch der neue Direktor des Südtiroler Jagdverbandes Herr Dr. Benedikt Terzer gefolgt, worüber sich die Jäger besonders gefreut haben.

 

Die Lebenräume  des Hasen werden immer mehr zerstört

 

Walter Prader eröffnete die Veranstaltung mit den Grußworten an alle Anwesenden und meinte: „die Hasenjäger sind vom Aussterben bedroht!“ Besonders darum ist es sehr wichtig, dass wir versuchen, diese Jagdausübung auch den Jungjägern und Nicht Sympathisanten der Hasenjagd schmackhaft zu machen. Wir wollen mit solchen Veranstaltungen zeigen, dass gerade Hasenjäger sehr Gesellschaft gebundene Jäger sind, die diszipliniert jagen und dies immer im Beisein mit dem Vierbeiner, den wir über alles lieben, tun.

Walter verweist kurz auf den Umstand, dass angesichts des eingesetzten Regens, das Mitwirken der mitgebrachten Hunde am Treffen  eingeschränkt ist.

Nachdem auch heute so viele der Einladung gefolgt sind, werden wir unsere Initiative erweitern und somit im Frühjahr diesen Verein „Freunde der Hasenjagd“  offiziell gründen. Die Initiative soll ein Bemühen sein, uns weiterhin gemeinsam auf die Jagd auf Hasen erfreuen zu können.  Wir werden versuchen mehr Gesellschaftsjagden zu organisieren. Ferner werden wir versuchen mit einigen Revierleitern in Südtirol  zu sprechen, um auch eine Gesellschaftsjagd organisieren zu können. Diese Initiativen sind in Zukunft die Aufgabe der Führung unserer Organisation“.  

 

Nach diesen Worten   des Initiators  Walter Prader,  referierte der Direktor Benedikt Terzer über die Themen:

-   Rechtssicherheit der Jagd in Südtirol

-   Jagdautonomie,

-   Umweltschutz

-   und Waffenrecht.

Er sprach dabei über die wichtigsten Anliegen der Jäger.

Einleitend beschrieb er die Vorzüge der Hasenjagd und der Jäger, die diese ausüben.

Er sagte wörtlich: Wir könnten die Hasenjäger  als „Teamplayer“ bezeichnen womit zum Ausdruck gebracht wird, daß Hasenjäger sehr bestrebt sind, in Gesellschaft zu jagen, mit anderen Jägern und selbstverständlich mit den Hunden.

Dr. Terzer meinte: Jäger wollen sicher sein, Rechtssicherheit haben und von der Gesellschaft akzeptiert werden. Es kann nicht sein, dass wir Jäger, die jahrzehntelang vorbildlich gejagt haben, nicht mehr auf die Jagd gehen dürfen, weil der Waffenpass plötzlich nicht mehr verlängert wird! Es kann nicht sein, dass man uns verbieten will, bestimmte Wildarten nicht

mehr  zu bejagen!  Es kann nicht sein, dass wir in bestimmten Gebieten nicht mehr jagen dürfen!  

Ich bin mir sicher, dass jeder von euch in seinem Bekanntenkreis mindestens einen Jäger kennt, dem der Waffenpass nicht mehr verlängert wurde, weil er vor ca. 20-30 Jahren ein kleines Vergehen hatte. Seit dem Jahr 2014 wird Artikel 43 des Einheitstextes der Sicherheitsgesetze streng ausgelegt. Das hat zur Folge, daß all jene, die wegen bestimmten Straftaten verurteilt worden sind, keinen Waffenpass mehr erhalten haben. Es sind Fälle bekannt geworden, die gelinde gesagt, absurd anmuten.

Unter den Betroffenen sind einige Fälle, die schier unglaublich anmuten.

Wir haben einige Fälle, die besonders gut für einen Gerichtsstreit geeignet waren ausgesucht, um den Betroffenen einen Rekurs vor dem Verwaltungsgericht nahelegen zu können. Gleichzeitig haben wir mit mehreren renommierten Anwaltskanzleien, die auf Verwaltungsrecht spezialisiert sind, eine Zusammenarbeit begonnen.

Es kann nämlich nicht sein, dass in unserer Gesellschaft mit zweierlei Maß gemessen wird. Ein Richter, der als einer der größten Waffenrechtsexperten in Italien gilt, hat das Ganze gut auf den Punkt gebracht:

Wer vor Jahrzehnten eine kleine Straftat, z.B. einen Diebstahl begangen hat und anschließend rehabilitiert wurde, kann Richter oder Staatspräsident werden. Auf die Jagd gehen, kann er  aber nicht.

Damit ist alles gesagt.

Man muss an dieser Stelle auch hervorheben, dass sich besonders die Südtiroler Parlamentarier in Rom für eine Lösung einsetzen. Wir haben die Parlamentarier mehrmals um Unterstützung gebeten und angeschrieben. Entstanden ist ein reger Austausch zwischen den Parlamentariern und dem Jagdverband. Hervorzuheben ist in erster Linie der Einsatz des Kammerabgeordneten Albrecht Plangger und der Senatoren Karl Zeller und Hans Berger.

Die Sache war nicht einfach. Wer nur ein wenig das politische Tagesgeschehen verfolgt, weiß, wie schwierig der Kampf in Rom ist. Die Politiker, die der Jagd freundlich gesinnt sind, kann man an wenigen Fingern abzählen. Wenn es darum geht, sich offen zur Jagd zu bekennen, bleiben von den rund 1000 Parlamentariern kaum 10 übrig.

Zu groß war die Angst, durch ein offenes Bekenntnis zur Jagd, in der eigenen Wählerschaft in Missgunst zu geraten.

Dass wir Jäger im Parlament eine vergleichsweise schwache Lobby haben, liegt natürlich in erster Linie daran, dass wir sehr wenige sind: Nur 1 % der italienischen Bevölkerung geht zur Jagd.

Wie wichtig, eine gute politische Vernetzung ist, haben wir im Zusammenhang mit der Jagd in den Naturparken erfahren.

Wenn die Zusammenarbeit und das Verhältnis zwischen Jägerschaft und Politik nicht so gut wäre, hätten wir die Jagd in den Naturparks begraben können.

Die Ausnahmeregelung, die Südtirol und Trentino für die Jagd in den Naturparken erhalten haben, ist der wichtigste autonomiepolitische Forstschritt für die Jagd in den letzten 25 Jahren.

In ganz Italien darf in den Naturparken nicht gejagt werden. Nur Südtirol und das Trentino besitzen eine Ausnahmeregelung. Dass die Jagdgegner dagegen Sturm laufen, versteht sich von selbst.

Und wir dürfen auch nicht vergessen, dass es die Jagdgegner waren, die mit einem Rekurs die Jagd in den Naturparken zu Fall bringen wollten. Und es ist ihnen beinahe auch geglückt.

Doch die Rekurse der Jagdgegner richten sich nicht nur gegen die Jagd in den Naturparken, sondern in erster Linie gegen Abschussdekrete.

In den letzten Jahren haben wir das leidige Spiel zig-Mal miterleben müssen: Der Landesrat für Forstwirtschaft erlässt ein Abschussdekret, kurz darauf reichen die Jagdgegner Rekurs vor dem Verwaltungsgericht ein. Nur wenige Tage später stoppt das Verwaltungsgericht die Abschüsse.

Im letzten Jahr hat sich das Blatt aber gewendet.

Während bisher jedes Dekret ausgesetzt wurde und das Land die Prozesskosten tragen musste, wurden im Jahr 2016 die Jagdgegner in drei Prozessen dazu verurteilt, die Gerichtskosten zu übernehmen.

Der wichtigste Erfolg wurde jedoch im August 2016 im Zusammenhang mit dem Fuchsdekret eingefahren. Nachdem die Liga gegen Tierversuche das Fuchsdekret angefochten hatte, hat sich erstmals der Südtiroler Jagdverband in das Gerichtsverfahren eingeschaltet, um das Land zu unterstützen.

Der Jagdverband hat eine sofortige Anhörung beim Gerichtspräsidenten beantragt, die dann umgehend gewährt wurde.

Einen Tag später erteilte der Gerichtspräsident den Jagdgegnern eine Absage: Zum ersten Mal in der Geschichte des Jagdgesetzes hat das Gericht nein zur Aussetzung gesagt.

Daraufhin konnte die Fuchsregulierung weiter stattfinden und so landesweit insgesamt 1.700 Füchse erlegt werden.

Mit diesen ersten Erfolgen ist der Weg aber noch lange nicht geebnet.

Entscheidend für den Fortbestand der Jagd ist in erster Linie das, was in Rom und in Brüssel entschieden wird.

Dass mit der neuen Richtlinie keine neuen Einschränkungen auf uns Jäger zukommen, verdanken wir dem beherzten Einsatz jener Parlamentarier, die sich für die Anliegen der Jagd einsetzen. Dazu gehört auch der Südtiroler EU- Parlamentarier Herbert Dorfmann, der unser Ansprechpartner ist und stets ein offenes Ohr für die Anliegen der Jäger hat.

In Europa gibt es 7 Millionen Jäger. Der Dachverband der europäischen Jagdverbände FACE steht mit Michl Ebner unter einer Südtiroler Führung und vertritt die Interessen aller Jäger auf EU- Ebene.

Wir Jäger haben bisher gute, sehr gute Arbeit für das Wild und für die Natur geleistet. Diese Verdienste lassen wir uns nicht so leicht absprechen.

Wenn wir weiterhin kompakt und geschlossen zu unserer gemeinsamen Passion stehen, brauchen wir niemanden zu scheuen.

Über Südtirols Jagdautonomie wurde viel gesprochen, vor allem über die Jagd in den Naturparks. Südtirol hat seit 1972 primäre Gesetzgebungs- Kompetenz u.a. im Bereich Jagd- Pflanzen- und Tierschutzparke. Die primäre Kompetenz wird durch sogenannte Schranken in ihrem Umfang begrenzt. Art. 4 des Autonomiestatuts sieht fünf verschiedene Schranken vor, darunter befinden sich die Verfassung und die Grundsätze wirtschaftlicher und sozialer Reformgesetze.

1991 wurde ein staatliches Rahmengesetz über die Schutzgebiete erlassen, Art. 22 Absatz 6 dieses Rahmengesetzes sieht bekanntlich das Jagdverbot in den Regionalen Naturparks vor. Im Jahr darauf 1992 hat der Verfassungsgerichtshof mit dem Urteil 366 festgestellt, dass das Jagdverbot auch für Naturparks der Sonderautonomien gilt. Ab diesem Zeitpunkt war klar, dass auch die Jagd in den Südtiroler Naturparks in arge Bedrängnis kommen wird. In Trient war man extrem unvorsichtig. Das Trientner Landesjagdkomitee hat 2014 einen Beschluss gefasst, das in einem Artikel hineingeschrieben hat, dass im Naturpark Adamello Brenta bestimmte Wildarten nicht bejagt werden dürfen. werden.

 

Was wird getan, um diese Situation zu ändern?

Man arbeitet an einer neuen Durchführungsbestimmung, in welcher stehen soll, dass der Landeshauptmann auf Vorschlag vom zuständigen Landesrat die bejagbaren Arten festlegt, dazu kommt noch das Gutachten des Kreises für Umwelt und Forschung. Auch bei den Jagdzeiten soll es besser werde. Wichtig ist, dass künftig nur mehr das EU Recht als Schranke aufscheinen soll. Staatliche Bestimmungen schränken uns zu sehr ein, die EU ist diesbezüglich lockerer.

 

Umweltschutz

2001 hat der Staat den Umweltschutz neu geregelt bzw. erfunden. Diesen Rechtsbereich hat es vorher nicht gegeben. Als man das Autonomiestatut verfasst hat, hat es die Raumordnung und den Landschaftsschutz, nicht aber den Umweltschutz gegeben. Inzwischen hat das Verfassungsgericht den Umweltschutz als transversale Kompetenz deklariert, das heißt, dass sich der staatliche Umweltschutz in die autonomen Kompetenzen einmischen kann. Die Heimholung dieser Umweltschutzkompetenz ist für Südtirol sehr wichtig. Längerfristig wird man nur autonome Kompetenzen haben, wenn man den Umweltschutz in die Landesautonomie eingebunden hat.

 

Zum Abschluss seines Referates, danke Direktor Terzer dem Veranstalter Walter Prader für die Bemühungen zu dieser Veranstaltung.

Er würde es sehr begrüßen, wenn  solche gesellschaftliche Veranstaltungen weiter ausgebaut und unterstützt werden.

 

Im Anschluss stellte Dr. Terzer das neue Alpenländische Wild-Kochbuch „Unwiderstehlich Wild“ vor,  das soeben im Athesia-Tappeiner Verlag (Bozen) erschienen ist  und von den Jagdverbänden von Bayern, Tirol, Südtirol und Aargau getragen wird.

Der alpine Raum ist in seinen natürlichen Gegebenheiten eine spezielle Umgebung, die besondere Anforderungen aus jagdlicher Sicht stellt. Aus diesem Grund arbeiteten die Jagdverbände von Bayern, Tirol und Südtirol bereits eng zusammen.

Der Tiroler Landesjägermeister Anton Larcher hatte die Idee, die Gemeinsamkeiten auf positive Weise in ein gemeinsames Projekt zum Thema Genuss zusammenfließen zu lassen. Bei einem ersten Treffen der drei Landesjägermeister Anton Larcher, Berthold Marx und Prof. Dr. Jürgen Vocke in der Geschäftsstelle des Tiroler Jägerverbandes in Innsbruck wurde auch eine Schweizer Beteiligung angedacht. Beim Verband Jagd Aargau war man ebenfalls von der Idee begeistert, mit diesem Buch das Wildbret als wertvolles, gesundes und natürliches Nahrungsmittel hervorzuheben.

Unter der Projektbetreuung von Christine Paxmann aus München ist im Südtiroler Athesia-Tappeiner Verlag ein Buch, in dem geläufige Gemeinsamkeiten aber auch interessante Unterschiede der Jagd in den vier Regionen geschildert werden, entstanden. Rehhacktäschli aus der Schweiz, Gamslasagnette aus Südtirol, Murmeltierbraten aus Nordtirol oder Wildschweinkeule aus Bayern sind nur Beispiele der großartigen, sorgfältig ausgewählten und abgestimmten Gerichte mit dem feinen und hochqualitativen Wildbret, welches sich hervorragend für die alltägliche Küche eignet.

Ob Hirsch, Wildschwein, Gams oder Ente – dieses Kochbuch bietet für jeden Anlass ein passendes Wildrezept, jeweils mit exklusiven und atmosphärischen Bildern. Die besonderen und abwechslungsreichen Rezepte erhalten konkrete Angaben zum Nachkochen für Jedermann. Mit Beilagen listen und Informationen über Bezugsquellen des Fleisches.

 

Das erste signierte Exemplar wurde von Dr. Terzer dem Veranstalter dieses Treffens Herrn Walter Prader übergeben, der sich darüber sehr freute.

 

Anschließend meldete sich kurz Luis Lageder zu Wort, um im Namen der gesamten Teilnehmer am Treffen,  dem Walter für sein Bemühen um die

Geselligkeit unter den Hasenjägern zu danken.

 

Zum Abschluss bedankte sich Walter Prader beim Direktor Dr. Benedikt Terzer für sein Kommen. Seine Anwesenheit und sein Wirken hat allen Freude bereitet.  Bei den Jägern bedankte er sich für die rege Teilnahme, wünschte allen ein geselliges Beisammensein bei Speise und Trank hier im Gasthof Unterhornhaus und einen erfolgreichen Jagdbeginn auf Hasen mit einem kräftigen Hasenheil. 

 

                                                                                     Bericht: Luis Lageder/WalterPrader

 

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